MARC AUREL

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    Mark Aurel


    Mark Aurel
    Glyptothek München

    Mark Aurel[1] (* 26. April 121 in Rom; † 17. März 180 in Vindobona oder eventuell Sirmium), auch Marc Aurel oder Marcus Aurelius, war von 161 bis 180 römischer Kaiser und als Philosoph der letzte bedeutende Vertreter der jüngeren Stoa. Als Princeps und Nachfolger seines Adoptivvaters Antoninus Pius nannte er sich selbst Marcus Aurelius Antoninus Augustus.[2] Mit seiner Regierungszeit endete in mancherlei Hinsicht eine Phase innerer und äußerer Stabilität und Prosperität für das Römische Reich, die Ära der sogenannten Adoptivkaiser. Mark Aurel war der letzte von ihnen, denn in seinem Sohn Commodus stand ein leiblicher Erbe der Herrscherfunktion bereit.

    Innenpolitische Akzente setzte Mark Aurel in Gesetzgebung und Rechtsprechung bei der Erleichterung des Loses von Benachteiligten der damaligen römischen Gesellschaft, vor allem der Sklaven und Frauen. Außergewöhnlichen Herausforderungen hatte er sich hinsichtlich einer katastrophalen Tiberüberschwemmung zu stellen sowie in der Konfrontation mit der Antoninischen Pest und angesichts spontaner Christenverfolgungen innerhalb des Römischen Reiches. An den Reichsgrenzen musste er nach einer längeren Friedenszeit wieder an mehreren Fronten gegen eindringende Feinde vorgehen. Insbesondere waren der Osten des Reiches durch die Parther, über die Mark Aurels Mitkaiser Lucius Verus triumphierte, und der Donauraum durch diverse Germanen-Stämme bedroht. Sein letztes Lebensjahrzehnt verbrachte Mark Aurel daher vorwiegend im Feldlager. Hier verfasste er die Selbstbetrachtungen, die ihn der Nachwelt als Philosophenkaiser präsentieren und die mitunter zur Weltliteratur gezählt werden.[3]


    Marc Aurel Leben bis zum Herrschaftsantritt


    Mark Aurel als Knabe
    Deutsche Übersetzung der Selbstbetrachtungen, Hamburg 1727

    Marc Aurel Herkunft und Jugend

    Der spätere Kaiser Mark Aurel wurde als Marcus Annius Catilius Severus in Rom geboren. Sein Urgroßvater war aus den hispanischen Provinzen nach Rom gekommen. Unter Kaiser Vespasian hatte er es bis zum Praetor gebracht. Marcus Annius Verus, der Großvater Mark Aurels, bekleidete bereits dreimal das Amt des Konsuls. Er verheiratete seinen Sohn, der ebenfalls Annius Verus hieß – Mark Aurels Vater  also –, mit Domitia Lucilla, einer Verwandten Kaiser Hadrians, deren Familie durch den Besitz von Ziegeleien reich geworden war. Nach dem frühen Tod des Vaters (128) wuchs Marcus im Haus seines Großvaters auf. Am 17. März 136 nahm er anlässlich seiner Verlobung mit Ceionia, der Tochter des im selben Jahr zum Nachfolger Hadrians bestimmten Lucius Aelius Caesar, den Namen Marcus Annius Verus an. Marcus wurde so in die Familie des voraussichtlichen Thronfolgers eingebunden.

    Das in der Ämterlaufbahn erworbene Ansehen der Familie und das ernsthafte Naturell des jungen Marcus hatten ihm angeblich schon früh die Beachtung Kaiser Hadrians eingebracht,[4] der ihn wegen seiner Wahrheitsliebe scherzhaft mit dem Spitznamen Verissimus („der Wahrhaftigste“, der Superlativ von verus) belegt haben soll und ihn wohl bereits als Achtjährigen in das Priesterkollegium der Salier aufnehmen ließ.[5] Im Zuge seiner durch den plötzlichen Tod des Lucius Aelius Caesar nötig gewordenen zweiten Nachfolgeregelung adoptierte der todkranke Hadrian dann am 25. Februar 138 den Senator Antoninus Pius mit der Maßgabe, dass dieser wiederum Lucius Verus, den Sohn des Verstorbenen, und Mark Aurel, Antoninus’ angeheirateten Neffen und nächsten männlichen Verwandten, zu adoptieren hatte. Dieser hieß nach der Adoption durch Antoninus nun Marcus Aelius Aurelius Verus. Lucius Verus wurde zugleich mit Faustina, der einzigen Tochter des Antoninus, verlobt und dadurch sichtbar herausgehoben. Andererseits sprachen der Altersvorsprung und die Nähe zu Antoninus für Mark Aurel als künftigen Thronerben.[6]

    Nach dem Tode Hadrians im Juli desselben Jahres zog der nun siebzehnjährige Mark Aurel zu Antoninus Pius, seinem Adoptivvater und neuem Kaiser, in den Regierungspalast. Antoninus veränderte sofort die Regelungen Hadrians: Er löste sogleich die Verlobung zwischen Lucius Verus und Faustina und verlobte diese stattdessen mit Mark Aurel (die Verbindung mit Ceionia wurde zuvor gelöst), der damit eindeutig an die erste Stelle rückte. Schwerpunkte der Ausbildung waren zunächst Studien zur griechischen und lateinischen Rhetorik bei den Lehrern Herodes Atticus und Marcus Cornelius Fronto. Mit letzterem führte er einen regen Briefwechsel, der in Teilen erhalten ist. 139 wurde Mark Aurel zum Caesar erhoben und damit formell zum Thronfolger designiert. Erneut weit vorfristig, nämlich schon mit 18 Jahren, bekleidete er im folgenden Jahr sein erstes Konsulat. Anscheinend ging es Antoninus Pius darum, Mark Aurel so früh wie möglich in eine unangreifbare Position zu bringen.[7] Dies war auch deshalb notwendig, weil die Nachfolge im Prinzipat grundsätzlich zu Lebzeiten des Vorgängers geregelt werden musste, um reibungslos verlaufen zu können, denn eine Vererbung der kaiserlichen Macht war formal eigentlich nicht vorgesehen. Es war daher üblich, den gewünschten Nachfolger im Vorfeld durch Ehrungen und die Verleihung wichtiger Titel und Vollmachten eindeutig zu kennzeichnen.


    Marc Aurel Philosophische Orientierung

    Was das Verhältnis Mark Aurels zur Philosophie betrifft, so fällt es grundsätzlich schwer, zwischen kaiserlicher Selbstinszenierung und authentischer Neigung zu unterscheiden. Die stoischen Philosophen unter seinen Lehrern mögen entscheidend zu einer Wendung beigetragen haben, die er bereits als Zwölfjähriger genommen haben soll, als er sich in den Mantel der Philosophen kleidete und fortan auf unbequemer Bretterunterlage nächtigte, nur durch ein von der Mutter noch mit Mühe verordnetes Tierfell gepolstert.[8] Hier hat offenbar eine Lebenshaltung ihren Anfang genommen, die in den auf Griechisch verfassten Selbstbetrachtungen (ta eis heautòn) der späten Jahre festgehalten wurde. Dabei dürften die Grundlagen der dort formulierten Überzeugungen bereits frühzeitig gegolten haben, denn sie fußten auf einer bald 500-jährigen und gleichwohl lebendigen Tradition stoischen Philosophierens. Qualifizierungsprozess und Herrschaftspraxis sind gerade darum in engem Zusammenhang mit seinen Selbstbetrachtungen zu sehen, weil die Einheit von Denken und Handeln, von Wort und Tat für seine Daseinsauffassung vorrangig war:

    „Es kommt nicht darauf an, über die notwendigen Eigenschaften eines guten Mannes dich zu besprechen – vielmehr ein solcher zu sein.“ (X, 16)
    „Du kannst nicht im Schreiben und Lesen unterrichten, wenn du es nicht selber kannst; viel weniger lehren, wie man recht leben soll, wenn du es nicht selber tust.“ (XI, 29)

    Ebenso deutlich akzentuiert hat Mark Aurel das Bewusstsein für Wahrheit und Wirklichkeit, das schon Hadrian an ihm geschätzt haben soll:

    „Kann mir jemand überzeugend dartun, dass ich nicht richtig urteile oder verfahre, so will ich’s mit Freuden anders machen. Suche ich ja nur die Wahrheit, sie, von der niemand je Schaden erlitten hat. Wohl aber erleidet derjenige Schaden, der auf seinem Irrtum und auf seiner Unwissenheit beharrt.“ (VI, 21)
    „So oft du an der Unverschämtheit jemandes Anstoß nimmst, frage dich sogleich: Ist es auch möglich, daß es in der Welt keine unverschämten Leute gibt? Das ist nicht möglich. Verlange also nicht das Unmögliche.“ (IX, 42)

    Der Stellenwert dieser Notate für die Lebenspraxis Mark Aurels erschließt sich aus dem Entstehungszusammenhang der Selbstbetrachtungen. Es handelte sich um eine Form geistiger Übungen, die darauf zielten, eine mit den Grundsätzen der Stoa übereinstimmende Lebensführung im Bewusstsein wachzuhalten und zu aktualisieren sowie abweichende Emotionen zu kontrollieren. Darum ging es u.a. auch in der Einstellung zu den Mitmenschen:

    „Die Menschen sind füreinander da. Also belehre oder dulde sie.“ (VIII, 59)
    „Willst du dir ein Vergnügen machen, so betrachte die Vorzüge deiner Zeitgenossen, so die Tatkraft des einen, die Bescheidenheit des andern, die Freigebigkeit eines Dritten und so an einem Vierten wieder eine andere Tugend. Denn nichts erfreut so sehr wie die Muster der Tugenden, die aus den Handlungen unserer Zeitgenossen uns in reicher Fülle in die Augen fallen. Darum habe sie auch stets vor Augen.“ (VI, 48)

    Vielerlei Unangenehmes zu verarbeiten, Schicksalsschläge durchzustehen und mit der eigenen Unvollkommenheit auszukommen, auch dazu qualifizierten ihn Reflexionen im Geiste der Stoa in besonderem Maße:

    „Rührt ein Übel von dir selbst her, warum tust du’s? Kommt es von einem andern, wem machst du Vorwürfe? Etwa den Atomen oder den Göttern? Beides ist unsinnig. Hier ist niemand anzuklagen. Denn, kannst du, so bessere den Urheber; kannst du das aber nicht, so bessere wenigstens die Sache selbst; kannst du aber auch das nicht, wozu frommt dir das Anklagen? Denn ohne Zweck soll man nichts tun.“ (VIII, 17)
    „Empfinde keinen Ekel, laß deinen Eifer und Mut nicht sinken, wenn es dir nicht vollständig gelingt, alles nach richtigen Grundsätzen auszuführen; fange vielmehr, wenn dir etwas mißlungen ist, von neuem an und sei zufrieden, wenn die Mehrzahl deiner Handlungen der Menschennatur gemäß ist, und behalte das lieb, worauf du zurückkommst.“ (V, 9)

    Mitunter ist kritisch gegen Mark Aurels Selbstbetrachtungen eingewandt worden, dass sie der philosophischen Originalität entbehrten. Dabei wurde in der Regel außer Acht gelassen, dass ein Anspruch auf Originalität im gemeinten Sinne mit den Aufzeichnungen Mark Aurels zweifellos gar nicht verbunden war.


    Marc Aurel Einarbeitung in die Regierungsgeschäfte

    Eine bessere Vorbereitung auf politische Verantwortungsübernahme, als sie Mark Aurel durchlaufen hat, ist in Hinblick auf die Innenpolitik kaum vorstellbar. Bis zum Antritt der eigenen Herrschaft hatte er 23 Jahre lang (138-161) die umfassend genutzte Gelegenheit, sich auf die Anforderungen des Amtes einzustellen, sich in die Verwaltungsstrukturen des Römischen Reiches einzuarbeiten und alle wichtigen Bewerber und Inhaber einflussreicher Ämter kennenzulernen. Er erlangte dabei angeblich einen so sicheren Blick für die menschliche und aufgabenbezogene Eignung der Amtsträger und Postenkandidaten, dass Antoninus Pius sich schließlich in allen Stellenbesetzungsfragen auf das Urteil des Marcus gestützt haben soll. Die von Hadrian aufeinander Verwiesenen harmonierten laut den Quellen auch von ihrem Naturell her. Die Charakterisierung des Antoninus, die Mark Aurel im Ersten Buch der Selbstbetrachtungen gibt, dürfte sowohl die Vorbildfunktion wie auch die Wesensverwandtschaft zum Ausdruck bringen, die den Jüngeren mit seinem Adoptivvater verbunden hat:

    „An meinem Vater bemerkte ich Sanftmut, verbunden mit einer strengen Unbeugsamkeit in seinen nach reiflicher Erwägung gewonnenen Urteilen. Er verachtete den eitlen Ruhm, den beanspruchte Ehrenbezeigungen verleihen, liebte die Arbeit und die Ausdauer, hörte bereitwilligst gemeinnützige Vorschläge anderer, behandelte stets jeden nach Verdienst, hatte das richtige Gefühl, wo Strenge oder Nachgiebigkeit angebracht ist, verzichtete auf unnatürliche Liebe und lebte nur dem Staatswohl. […] Niemand konnte sagen, er sei ein Sophist, ein Einfältiger, ein Pedant, sondern jeder erkannte in ihm einen reifen und vollkommenen Mann, erhaben über Schmeicheleien, fähig, sowohl seine eigenen Angelegenheiten als die der andern zu besorgen. Dazu ehrte er die wahren Philosophen und zeigte sich nichtsdestoweniger nachsichtig gegen diejenigen, die es nur zum Scheine waren. Im Umgang war er höchst angenehm, er scherzte gern, jedoch ohne Übertreibung.“ (I, 16)

    Zusätzliche verwandtschaftliche Bande wurden dadurch hergestellt, dass Mark Aurel eine bestehende Verlobung zu lösen hatte, um Faustina, die Tochter des Antoninus, zu heiraten, die von Hadrian, wie gesagt, als Frau des Lucius Verus vorgesehen gewesen war. Aus dieser Ehe gingen insgesamt 13 Kinder hervor, die in der Mehrzahl allerdings noch im Kindesalter starben.

    Auffällig ist, dass Antoninus entgegen der Tradition des Prinzipats darauf verzichtete, den Nachfolger auch militärisch auszubilden und den an den Grenzen des Imperiums stationierten Truppen vorzustellen. Die Gründe, warum Antoninus seinen Adoptivsohn in 23 Jahren niemals von seiner Seite weichen ließ, sind umstritten. Glaubt man nicht der offiziellen Lesart, dass der Kaiser Mark Aurel zu sehr geliebt habe, um ihn auch nur einen Tag aus den Augen zu lassen, so kommt im Gegenteil auch Misstrauen als Erklärung in Frage: Möglicherweise wünschte Antoninus nicht, dass Mark Aurel sich zu früh eine eigene Machtbasis bei den Soldaten schaffen könnte. Die militärische Unerfahrenheit, die die Konsequenz aus diesem Verhalten war, sollte sich später durchaus rächen, da Mark Aurel (im Unterschied zu Lucius Verus) als Feldherr stets eher unglücklich agierte.

    Bereits im Dezember 147 war Mark Aurel durch die Verleihung der tribunicia potestas und des imperium proconsulare zum Mitregenten avanciert. Mit dem Tode des Antoninus Pius 161 ging das Kaisertum dann auf Mark Aurel über, der fast unverzüglich seinen Adoptivbruder Lucius Verus zum formal (fast) gleichberechtigten Mitkaiser erhob. An auctoritas freilich war Marcus überlegen, zumal er auch das Amt des Pontifex maximus für sich behielt. Verus, der ja einst von Hadrian als Hauptkaiser vorgesehen gewesen war, hat sich offenbar zeitlebens in dieses Arrangement gefügt; 164 heiratete er die Tochter Mark Aurels, Lucilla. Über die Ernennung des Lucius Verus zum Mit- bzw. Unterkaiser ist oft gerätselt worden, aber letztlich hatte Mark Aurel eigentlich nur die Wahl, ihn entweder zum Mitherrscher zu machen oder zu beseitigen; anderenfalls wäre Verus notwendigerweise eine Gefahr für das Regime geworden. Da Mark Aurel offenbar nicht wie Hadrian oder Tiberius einen politischen Mord einen Schatten auf seinen Herrschaftsbeginn werfen lassen wollte, entschied er sich dafür, Lucius Verus stattdessen in das System zu integrieren.

    Beide Kaiser standen binnen kurzem einer im Vergleich zu den vorhergehenden Jahrzehnten des äußeren Friedens veränderten Situation gegenüber, als ab 161 die Parther die Ostgrenze des Römischen Reiches in Frage stellten und die Germanen im Donauraum von 168 an ernsthaft die Nordgrenze bedrängten. Die Aufgabenteilung der beiden Kaiser ergab, dass Mark Aurel faktisch das Reich regierte, während seinem Adoptivbruder Lucius Verus bis zu seinem Tode die Durchführung wichtiger Militäroperationen oblag.


    Marc Aurel Der Prinzipat des Mark Aurel



    Marc Aurel Politische Leitsätze

    Mark Aurel als Imperator

    Das über alle geschichtlichen Epochen hinweg fortwirkende Charisma Mark Aurels liegt nicht zuletzt begründet in dem mit ihm verbundenen Bild des „Philosophen auf dem Thron“ und in der als beispielhaft angesehenen Verknüpfung von politischer Philosophie und Herrschaftspraxis. Die Belege für das politische Denken Mark Aurels und für seine Selbstdarstellung sind den Selbstbetrachtungen zu entnehmen. Manches davon erscheint wie zeitlos und in der Gegenwart nicht überholt. In welchem Maße die Aussagen des Kaisers als authentische Selbstzeugnisse seiner Regierungspraxis zu gelten haben, bleibt offen; die historische Quellenkritik stößt hier an ihre Grenzen. Von Bedeutung ist, dass das Ideal eines Philosophenherrschers zu allen Zeiten die Phantasie der Menschen bewegt hat und dass Mark Aurel für viele zur Verkörperung dieses Leitbilds wurde. Er führt unter anderem aus:

    „Severus war mir ein Beispiel in der Liebe zu unseren Verwandten wie auch in der Wahrheits- und Gerechtigkeitsliebe […], durch ihn bekam ich einen Begriff, was zu einem freien Staate gehört, wo vollkommene Rechtsgleichheit für alle ohne Unterschied herrscht und nichts höher geachtet wird als die Freiheit der Bürger.“ (I, 14)

    Freiheit und Gerechtigkeit, vor allem im Sinne gleichen Rechts für alle, gehörten also zu den angeblich früh angeeigneten und stets propagierten politischen Leitvorstellungen Mark Aurels. Gegen die Versuchungen absolutistischen Machtmissbrauchs, denen er in seiner Stellung unvermeidlich ausgesetzt war, schützten ihn, so seine Behauptung, sein philosophischer Reflexionshintergrund und Selbstermahnungen wie die folgende:

    „Hüte dich, dass du nicht ein tyrannischer Kaiser wirst! Nimm einen solchen Anstrich nicht an, denn es geschieht so leicht. […] Ringe danach, dass du der Mann bleibest, zu dem dich die Philosophie bilden wollte.“ (VI, 30)

    Nur zu bewusst war Mark Aurel sich der Grenzen seiner politischen Gestaltungsmöglichkeiten und der Hinfälligkeit utopischer Gesellschaftsmodelle:

    „Hoffe auch nicht auf einen platonischen Staat, sondern sei zufrieden, wenn es auch nur ein klein wenig vorwärts geht, und halte auch einen solchen kleinen Fortschritt nicht für unbedeutend. Denn wer kann die Grundsätze der Leute ändern? Was ist aber ohne eine Änderung der Grundsätze anders zu erwarten als ein Knechtsdienst unter Seufzen, ein erheuchelter Gehorsam?“ (IX, 29)

    Dass Mentalitäten nicht ohne weiteres formbar und disponibel sind und daher im politischen Handeln berücksichtigt werden müssen, war für Mark Aurel klar, weil er der senatorischen Freiheit gerade auch in der Meinungsäußerung Priorität einräumte. Damit folgte er im Grunde der bereits unter Augustus und anderen Kaisern formulierten Idee, dass die aristokratische libertas unter einem guten princeps geachtet werden müsse. Gemeint war damit, wie gesagt, das Recht der freien Meinungsäußerung, nicht etwa politische Mitbestimmung, die auch Mark Aurel dem Senat oder dem Volk natürlich nie eingeräumt hat.

    Worauf es ihm nach eigener Aussage ankam, war in hellenistischer philosophischer Tradition ein vernunftgeleiteter und gemeinwohlorientierter Machtgebrauch, der mit den Grenzen der eigenen Kompetenz rechnete und dem größeren Sachverstand den Vortritt ließ bzw. die Problemlösung übertrug:

    „Reicht mein Verstand zu diesem Geschäft hin oder nicht? Reicht er hin, so verwende ich ihn dazu als ein von der Allnatur mir verliehenes Werkzeug. Im entgegengesetzten Falle überlasse ich das Werk dem, der es besser ausrichten kann, wenn anders es nicht zu meinen Pflichten gehört, oder ich vollbringe es, so gut ich’s vermag, und nehme dabei einen andern zu Hilfe, der, von meiner Geisteskraft unterstützt, vollbringen kann, was dem Gemeinwohl gerade jetzt dienlich und zuträglich ist.“ (VII, 5)

    In der Rechtspflege lag für Mark Aurel, wie für die principes vor ihm, der Kern der guten gesellschaftlichen Ordnung und der Bereich, für den er sich persönlich am meisten verantwortlich fühlte:

    „Wenn du Scharfsinn besitzest, so zeige ihn in weisen Urteilen.“ (VIII, 38)

    Mark Aurel hat seinem Dasein auch eine kosmopolitische Komponente zugeordnet und sogar bereits ein ökologisches Bewusstsein aufscheinen lassen:

    „Meine Natur aber ist eine vernünftige und für das Gemeinwesen bestimmte; meine Stadt und mein Vaterland aber ist, insofern ich Antonin heiße, Rom, insofern ich ein Mensch bin, die Welt. Nur das also, was diesen Staaten frommt, ist für mich ein Gut.“ (VI, 44)
    „Die Allnatur aber hat außerhalb ihres eigenen Kreises nichts. Das ist gerade das Bewundernswerte an ihrer Kunstfertigkeit, daß sie in ihrer Selbstbegrenzung alles, was in ihr zu verderben, zu veralten und unbrauchbar zu werden droht, in ihr eigenes Wesen umwandelt und eben daraus wieder andere neue Gegenstände bildet. Sie bedarf zu diesem Zweck ebensowenig eines außer ihr befindlichen Stoffes, als sie eine Stätte nötig hat, um das Morsche dorthin zu werfen. Sie hat vielmehr an ihrem eigenen Raum, ihrem eigenen Stoff und an ihrer eigenen Kunstfertigkeit genug.“ (VIII, 50)

    Marc Aurel Innenpolitik

    Denar des Mark Aurel

    Innere Belastungen für das Römische Reich ergaben sich bereits in der Anfangsphase der Regierungszeit Mark Aurels aus einer verheerenden Tiberüberschwemmung und vor allem aus einer Pestepidemie (so genannte Antoninische Pest), die 166/167 von den aus dem Osten zurückkehrenden Truppen eingeschleppt worden war und nahezu das ganze Römische Reich und auch die dicht besiedelte Hauptstadt Rom heimsuchte.

    Seiner Selbstdarstellung als Stoiker auf dem Kaiserthron entsprechend, konzentrierte Mark Aurel sein Regierungshandeln, solange ihm dies möglich war, auf die inneren Strukturen des Reiches. Das besondere Augenmerk galt dabei den Schwachen und Benachteiligten der römischen Gesellschaft, den Sklaven, Frauen und Kindern, deren Situation er zu erleichtern suchte. Mehr als die Hälfte der überlieferten Gesetzgebungsakte des „Philosophen auf dem Kaiserthron“ zielten auf Verbesserung der Rechtsstellung und Freiheitsfähigkeit dieser Bevölkerungsgruppen. In gleicher Richtung hat er auch als oberstes Rechtsprechungsorgan des Reiches gewirkt, ein Amt, das er mit mustergültiger Sorgfalt und beispielloser Hingabe ausgeübt hat.

    Die Anzahl der Gerichtstage pro Jahr wurde auf seine Anordnung erhöht, so dass schließlich 230 Tage für Verhandlungen und Schlichtungstermine vorgesehen waren. Als er 168 selber gegen die Germanen ins Feld zog – mit Lucius Verus zunächst noch, nach dessen Tod 169 aber ganz auf sich gestellt –, hat er seine richterliche Tätigkeit vor Ort fortgesetzt. Die Prozessbeteiligten mussten ggf. zur Verhandlung im Feldlager anreisen. Der Historiker Cassius Dio berichtet darüber:

    Sooft ihm der Krieg etwas freie Zeit ließ, sprach er Recht. Den Rednern ließ er die Wasseruhren [wie sie bei Gericht gebräuchlich waren] reichlich füllen, und er beschäftigte sich sehr ausführlich mit den einleitenden Untersuchungen und Vernehmungen, um ein allseits gerechtes Urteil zu fällen. So verwandte er oft bis zu elf oder zwölf Tage auf die Verhandlung eines einzigen Falles, obwohl er manchmal sogar nachts Sitzungen abhielt. Denn er war fleißig und widmete sich den Aufgaben seines Amtes mit der größten Sorgfalt. Nie sprach, schrieb oder tat er etwas, als ob es sich um etwas Unwichtiges handle, sondern verbrachte bisweilen ganze Tage über irgend einer winzigen Kleinigkeit, weil er glaubte, es stehe einem Kaiser nicht an, etwas nur obenhin zu tun. Er war nämlich davon überzeugt, daß schon das geringste Versehen ein schlechtes Licht auch auf all seine übrigen Handlungen werfen werde.[9]

    Tiberüberschwemmung, Pestepidemie, Kriegskosten: Es war in einer äußerst bedrängten Lage, dass Mark Aurel sich auch in der Führung des Staatshaushalts zu bewähren hatte. Eine mit der Verminderung des Edelmetallgehalts der Münzen verbundene verdeckte Inflation war unter solchen Umständen wohl kaum vermeidbar. Ansonsten aber trug der Kaiser durch vorbildliche Zurückhaltung in der eigenen Lebensführung dazu bei, dass Ausgabenbegrenzungen etwa im Bereich der Zirkusspiele dem Volk vermittelbar waren. Auch zur Kriegsfinanzierung leistete das Kaiserhaus seinen Beitrag, indem eine Vielzahl wertvoller Gegenstände aus kaiserlichen Besitzständen auf dem Forum zur Versteigerung gebracht wurden. Der Historiker Cassius Dio (Senator unter Commodus; unter Severus Alexander Statthalter der Provinzen Africa, Dalmatien und Oberpannonien) zeigte sich besonders beeindruckt von Mark Aurels Auftreten gegenüber den im Felde siegreichen Soldaten, die als Siegprämie eine Sonderzahlung verlangten. Der Kaiser lehnte dies strikt ab und verwies darauf, dass jede solche Zahlung u.a. den Eltern und Verwandten der Legionäre abgepresst werden müsste.

    Denar des Marcus Aurelius, Rückseite mit der gefangenen Armenia

    Marc Aurel Militärische Herausforderungen

    Mark-Aurel-Säule, Piazza Colonna, Rom

    Schon zur Regierungszeit des Antoninus Pius hatte der Seleukia-Ktesiphon in römische Hand, wobei die Königsburg zerstört wurde. Römische Truppen drangen sogar zeitweilig bis nach Medien vor. Der Krieg konnte im Jahr darauf siegreich beendet werden. Dies war ein gewaltiger Erfolg für Lucius Verus, der aber klug genug war, den anschließenden Triumph mit dem senior Augustus Mark Aurel zu teilen, damit die Rangordnung gewahrt blieb. Rom konnte aufgrund der Pestepidemie (siehe oben) aber wohl keinen dauerhaften Gewinn aus dem Sieg ziehen: Ob Nordmesopotamien in den folgenden Jahrzehnten von den Römern kontrolliert wurde, ist unklar.

    War bis zum Sieg über die Parther die Lage im Donau-Grenzraum zwar auch bereits angespannt, aber doch im Wesentlichen beherrschbar geblieben, so änderte sich dies 167/168, als in Völkerwanderung wirken.

    In Rom suchte Mark Aurel der nun neben der Pestdepression zusätzlich um sich greifenden Kriegsfurcht mit religiösen Mitteln beizukommen: „Die Opferaltäre rauchten, man schlachtete inmitten der Hungersnot in Massen ausgesuchte Tiere. […] Gleich eine Woche lang wurden die Statuen der Götter als Festgäste mit Köstlichkeiten bewirtet und zugleich um Erbarmen angefleht.“[11] Mark Aurel machte sich nun auch selbst bereit, mit den Truppen ins Feld zu ziehen. Hatte seit den Zeiten Trajans kein Kaiser mehr an der Spitze der Armee im Krieg gestanden, so kam nun die Militärmonarchie als Ursprung des Prinzipats wieder deutlich zum Vorschein. Die kämpfende Truppe verlangte nach der Anwesenheit eines Kaisers, andernfalls drohten Usurpationen.

    Beide Augusti, Mark Aurel und Lucius Verus, fanden sich 168 an der Donaufront ein, um Truppeninspektionen durchzuführen und die Lage zu sondieren. Als Ergebnis wurde in der Folge eine spezifische Militärverwaltungszone mit großen Verteidigungsstützpunkten eingerichtet, die praetentura Italiae et Alpium. Das Hauptquartier befand sich zu dieser Zeit unweit östlich von Opitergium in Aquileia. Als auch hier die Pest sich ausbreitete, reisten die Imperatoren auf Anraten von Mark Aurels Leibarzt Galen nach Rom ab. Auf diesem Wege verstarb Lucius Verus Anfang 169, angeblich infolge eines Schlaganfalls. Seine nun verwitwete Tochter Lucilla vermählte Mark Aurel gegen deren Widerstand mit Tiberius Claudius Pompeianus, einem besonders fähigen Offizier syrischer Herkunft, den er für die Germanenkriege an sich binden wollte.

    Die Datierung der militärischen Operationen im Zuge der Markomannenkriege steht unter dem Vorbehalt einer nicht sehr ergiebigen Quellenlage, deren Deutung eher auf – mehr oder minder große – Wahrscheinlichkeiten hinausläuft als auf gesichertes Wissen.

    170 überrannten Germanen und Jazygen das strategisch exponierte Dacia (Dakien) und stießen anschließend bis nach Moesia superior (Obermösien) vor. Wohl ebenfalls in dieser Zeit scheiterte eine Offensive unter Mark Aurel äußerst verlustreich: 20.000 Legionäre kamen dabei ums Leben. Auch zwei neu ausgehobene Legionen konnten zunächst nicht verhindern, dass die gesamte Donaufront bedenklich bröckelte; in anderen Teilen des Reiches kam es zu Aufständen und Räubereinfällen. Im Südwesten erhoben sich die Mauren, überwanden die Grenzkastelle und verwüsteten die spanischen Provinzen, sodass Südspanien für zwei Jahre Kriegsgebiet blieb.[12] Der Osten wurde zu einem großen Militärdistrikt zusammengefasst und Avidius Cassius unterstellt.

    179 ließ Mark Aurel an der germanischen Donaugrenze, u.a. zur Abwehr der Markomannen, für die VII. italische Legion ein befestigtes Lager errichten, aus dem später die Stadt Regensburg hervorging.

    Markomannenkriege: Mark Aurel begnadigt Germanenhäuptlinge

    Nur mit bedeutenden Anstrengungen auch hinsichtlich der Kriegsfinanzierung (s.o.) und unter temporärer Ausweitung der Rekrutierungsbasis des Heeres z.B. auf Gladiatoren-Sklaven gelang es den Römern in der Folge, auch im germanischen Vorfeld jenseits der Donau wieder Fuß zu fassen, die Angreifer zurückzuschlagen und die verschiedenen germanischen Stämme je nach Einschätzung ihrer Zuverlässigkeit durch unterschiedlich bevorzugte Behandlung bei Vertragsschlüssen gegeneinander auszuspielen. In Teilen wurden sie nun auch als Hilfstruppen der Römer an den jeweils aktuellen Kriegsschauplätzen verwendet. Außerdem kam es zu allerdings wenig erfolgreichen Versuchen, begrenzte germanische Bevölkerungskontingente durch Ansiedlung innerhalb der Reichsgrenzen zu integrieren.

    Die Lager im Grenzbereich, von denen aus Mark Aurel die militärischen Operationen leitete, wechselten mit den Erfordernissen der Situation. Als Noricum wieder vollständig in römischer Hand war, verlegte er sein Hauptquartier nach Carnuntum. Weitere Standquartiere befanden sich in Sirmium und Vindobona. Für mehrere im Zuge der Markomannenkriege an der Donau stationierte Legionen wurden neue Lager gegründet, so 179 Castra Regina, das heutige Regensburg.

    In einer Offensive eroberten die Römer 172 die Region Moravia (Mähren), womit die ebenfalls feindlich gesinnten Sarmaten von den Quaden abgeschnitten waren, und unterwarfen schließlich bis ins Jahr 174 auch die Markomannen und Quaden. Die Gefahr, die von den Jazygen ausgegangen war, wurde gebannt, als Marcus von Sirmium aus gegen sie vorging.

    Der wiederholte Hinweis in der Marcusbiographie der Historia Augusta, Mark Aurel habe jenseits der Donau die Einrichtung zweier neuer Provinzen, Marcomannia und Sarmatia, geplant, wird in der Forschung angesichts mangelnder Bestätigung aus anderen Quellen angezweifelt und kontrovers diskutiert. Einerseits hätten Gebirgszüge wie das Riesengebirge eine leichter zu verteidigende Grenze ergeben können, als es die Donau war; andererseits hätten Einrichtung und Ausbau zweier neuer Provinzen Ressourcen erfordert, die in der gegebenen, auf das Äußerste gespannten Lage kaum zur Verfügung standen. Sollte Mark Aurel sich aber tatsächlich mit solchen Absichten getragen haben, dann wurde er 175 durch den Usurpator Avidius Cassius und 180 durch den eigenen Tod an dem Versuch ihrer Verwirklichung gehindert.


    Marc Aurel Die „Gesandtschaft“ nach China

    In chinesischen Quellen findet man einen Bericht über eine römische „Gesandtschaft“, die 166 China erreichte. Die Männer brachten Geschenke mit und gaben an, von Andongni (chinesisch 安东尼, Pinyin āndōngní), dem König von Daqin (Rom), (chinesisch 大秦, W.-G. Ta-ts’in ) geschickt worden zu sein. Mit Andongni (Antoninus) können nur Antoninus Pius (in diesem Fall hätte die Reise jedoch über fünf Jahre gedauert) oder Mark Aurel gemeint sein. Allerdings dürfte es sich bei den „Gesandten“ nur um herkömmliche römische Kaufleute gehandelt haben, nicht um offizielle Botschafter. Die chinesischen Quellen notieren, dass die Geschenke, die die Römer überreicht hätten, wenig eindrucksvoll (es handelte sich um Waren, die aus Südasien stammten, nicht aus dem Imperium Romanum) und von geringem Wert gewesen seien (siehe auch Römisch-chinesische Beziehungen).


    Marc Aurel Christenverfolgungen

    Obwohl sich die spätere christliche Überlieferung insgesamt dem positiven Urteil über den Kaiser anschloss, kam es in der Regierungszeit Mark Aurels zu den härtesten Christenverfolgungen seit Nero. In den Jahren 166–168 – vermutlich im Zusammenhang mit der Pestepidemie – waren Christen zunächst in dem durch die Partherkriege in Mitleidenschaft gezogenen Ostteil des Römischen Reiches Opfer örtlichen Volkszorns, nicht jedoch einer staatlich gelenkten Initiative. Mark Aurel hielt gegenüber den Christen zunächst an der Linie fest, die seit Trajan galt: Sie sollten nicht behördlich belangt werden, solange sie auf öffentliche Bekenntnisse zu ihrem Glauben verzichteten. Im Privatleben konnten sie ihr Christentum demnach in der Regel ungestört praktizieren. Unter krisenhaft veränderten äußeren und inneren Bedingungen gewährleistete diese Regelung jedoch nicht überall die persönliche Sicherheit. So konnten beispielsweise Erlasse mit Aufforderungen an die Bevölkerung, die Staatsgötter angesichts der Pest durch Opfer zu versöhnen, zu Aversionen gegenüber den Christen führen, die solche Opfer aus Glaubensgründen eigentlich verweigern mussten. In diesem Fall wurden sie hingerichtet. Es gab aber auch lapsi, die den Märtyrertod vermieden und vor den Behörden ihren Glauben verleugneten.

    Weitere Christenverfolgungen fanden im Herbst 177 in Gallien statt. Hierbei waren die bereits erwähnten angespannten Staatsfinanzen als mitursächlich anzusehen. Gladiatoren für die Veranstaltung von Zirkusspielen wurden zunehmend knapp und teuer, da sie teilweise zu Verstärkung der Legionen im Krieg gegen die Germanen verwendet wurden. So stiegen die Kosten für die Veranstaltung derartiger Spiele, die von den Amtsinhabern der städtischen Selbstverwaltungen in den Provinzen zu bestreiten waren, über das erträgliche Maß hinaus. Diesbezügliche Beschwerden aus Gallien dürften dazu geführt haben, dass Kaiser und Senat ein Dekret erließen, wonach zum Tode verurteilte Verbrecher künftig zu Billigpreisen als Gladiatoren in der Arena eingesetzt werden durften. In Lugdunum (Lyon) machten sich daraufhin Teile der Bevölkerung daran, Christen aufzuspüren und sie im Zusammenwirken mit den örtlichen Zuständigen aburteilen zu lassen, sofern sie ihrem Bekenntnis nicht abschworen. Auch eine fremdenfeindliche Komponente könnte zusätzlich bei diesen Vorgängen eine Rolle gespielt haben, denn unter den Märtyrern waren griechische Namen zahlreich vertreten. Da Lugdunum zudem ein Zentrum der paganen Religion in Gallien war und eine Stadt, in der viele in diesem Zusammenhang ihren Lebensunterhalt bestritten, dürfte den Christen hier ohnehin eine verbreitete Ablehnung entgegengebracht worden sein. Der zuständige Prokurator sicherte die Verurteilung der bekennenden Christen jedenfalls durch eine Anfrage in Rom ab. Das folgende kaiserliche Reskript verwies auf die seit Trajan gängige Regelung, folglich erlitt die Todesstrafe, wer sich öffentlich zum Christentum bekannte. Als Verschärfung gegenüber der trajanischen Praxis hat allerdings zu gelten, dass Mark Aurel gestattete, aktiv nach Christen zu fahnden, statt nur auf private Anzeigen zu reagieren.

    Nachdem die Christen, die ihrem Glauben nicht abschwören wollten, in Lugdunum 177 in der Arena getötet worden waren, sind weitere Christenverfolgungen in der Regierungszeit Mark Aurels nicht überliefert. Dies kann angesichts des Umstandes, dass er bereits zweieinhalb Jahre später verstarb, ein Zufall sein. Vielleicht hat er aber auch nach Kenntnisnahme des Geschehensablaufs entsprechende Vorkehrungen getroffen.[13]


    Marc Aurel Die Usurpation des Avidius Cassius und das Nachfolgeproblem

    Mark Aurel beim rituellen Opfer an den kapitolinischen Jupiter

    Im Jahre 175 erhob sich als Usurpator der syrische Statthalter Avidius Cassius. Die Hintergründe sind nicht ganz klar, doch wird sowohl von Cassius Dio als auch in der (allerdings oft sehr unzuverlässigen) Historia Augusta angeführt, Faustina, die Frau des Kaisers, habe in Sorge um die angeschlagene Gesundheit ihres Mannes Kontakt zu Avidius Cassius aufgenommen. Faustina hatte wohl um das Weiterbestehen der Dynastie gefürchtet, da der einzig überlebende Sohn Commodus noch zu jung war. Wahrscheinlich spielte aber auch Faustinas Furcht vor einem Rangverlust eine Rolle, sollte jemand anders nach dem Tod Mark Aurels Kaiser werden. Eventuell wurde die Rebellion dann durch das Gerücht ausgelöst, Mark Aurel sei gestorben; im Osten fand Avidius Cassius, der sich als General im Partherkrieg bewährt hatte, bald großen Zuspruch. Denkbar ist, dass Cassius hoffte, eine ähnliche Stellung zugestanden zu bekommen wie einst Lucius Verus. Als er jedoch erkannte, dass der Kaiser noch am Leben und nicht kompromissbereit war, machte er den Fehler, sich ihm nicht zu unterwerfen, und ließ es stattdessen auf einen Kampf ankommen. Angesichts des Übergewichts der Donaulegionen, bei denen er keine Anerkennung fand, war die Lage für Cassius zwar wenig aussichtsreich, aber auch nicht aussichtslos.

    Zu einem Bürgerkrieg kam es aber gar nicht erst, da Cassius kurz darauf von Tätern aus den eigenen Reihen ermordet wurde. Noch an der Donaugrenze ließ Mark Aurel seinen Sohn Commodus aus Rom kommen, erhob ihn zum princeps iuventutis, schloss mit den Sarmaten Frieden und zog in den Osten des Reichs, um die Lage in den dortigen Provinzen nach dem Aufstand des Avidius Cassius zu beruhigen. Bei dieser Reise starb Mark Aurels Ehefrau Faustina im Alter von 46 Jahren. Man hat ihr Untreue gegenüber ihrem Gatten nachgesagt. Vielleicht im Wissen darum hatte Mark Aurel sie an die Donaufront kommen lassen und sie zur „Mutter des Feldlagers“ erhoben. Auch nach ihrem Tod verweigerte er ihr ein ehrendes Andenken nicht, was ihn aber andererseits nicht hinderte, alsbald eine Konkubine zu erwählen. Die Rückreise führte den Kaiser über Athen, wo er für die vier großen, traditionsreichen Philosophenschulen (die Platonische Akademie, das Aristotelische Lykeion, die Stoa und den Epikureismus) je einen Lehrstuhl stiftete.

    Commodus

    Am 23. Dezember des Jahres 176 feierte Mark Aurel zusammen mit Commodus in Rom den Triumph über die Germanen und Sarmaten (siehe oben). Am 1. Januar 177 machte er Commodus (der Zwillingsbruder Titus Aurelius Fulvus Antoninus war als Vierjähriger, der ein Jahr jüngere Bruder Annius Verus Caesar mit sieben Jahren verstorben) zum gleichberechtigten Mitkaiser (Augustus), das Oberpontifikat behielt er sich allerdings selbst vor, um wie einst gegenüber Lucius Verus seinen Vorrang zu verdeutlichen. Es war dennoch das für alle Welt unübersehbare Signal: Commodus würde Mark Aurel nachfolgen. Dies ist Marcus in der Literatur, die Commodus überwiegend als schlechten Kaiser beurteilt, teilweise als gravierende Schwäche ausgelegt worden: Wäre es nicht gerade an ihm gewesen, die Tradition seiner Amtsvorgänger fortzusetzen und vermittels einer Adoption die Geschicke des Reiches in die bestmöglichen Hände zu übergeben? Hatte sich Commodus nicht schon in jungen Jahren durch unkalkulierbares, auf Genusssucht angelegtes Verhalten für Herrschaftsaufgaben disqualifiziert? Die rein dynastische Nachfolgeregelung scheint bis heute vielen so gar nicht zum sonstigen Agieren des idealisierten Philosophenkaisers zu passen.

    Solche Fragen könnte Mark Aurel sich tatsächlich als Erster gestellt – und letztlich mit sich selbst ausgemacht haben. Zweierlei macht seine Entscheidung erklärbar: Keiner der Adoptivkaiser vor ihm besaß einen leiblichen männlichen Erben, den er hätte zum Nachfolger machen können. Commodus′ Anspruch – er war mit dem Titel Caesar bereits als Fünfjähriger 166 als Nachfolgeanwärter designiert worden – war daher durch die von den Amtsvorgängern Mark Aurels während des laufenden Jahrhunderts eingeübte Adoptionspraxis nicht in Frage gestellt, auch wenn die Kaiserwürde formal nicht erblich war (siehe Prinzipat). Gerade der Umstand, dass die kinderlosen Kaiser die Notwendigkeit sahen, ihre Nachfolger zu adoptieren, belegt im Gegenteil die faktische Bedeutung des dynastischen Denkens. Den endgültigen Ausschlag gegeben hat aber wohl – nach dem Gang der Ereignisse zu urteilen – der Usurpationsversuch des Avidius Cassius, der zeigte, dass die angeschlagene Gesundheit bzw. das Ableben des Kaisers (175 als Gerücht bereits gezielt gestreut) bei ungeregelter Nachfolgefrage zum Bürgerkrieg hätte führen können. Als verbindliche und möglichst unanfechtbare Lösung bot sich in der gegebenen Situation nur Commodus an. Nichts deutet darauf hin, dass Mark Aurel jemals mit dem Gedanken gespielt haben könnte, seinen Sohn nicht zu seinem Nachfolger zu machen. Dessen Sukzession war für alle Beteiligten schlicht eine Selbstverständlichkeit: Als Privaterbe des Kaisers verfügte Commodus über gewaltige Geldmittel und die Loyalität der Soldaten; solange er lebte, war er als Thronfolger unvermeidlich. Hätte Mark Aurel tatsächlich zugunsten z. B. eines seiner Schwiegersöhne Commodus nicht zum Zuge kommen lassen, so wäre dies, so Fündling und andere Forscher, im Sinne der Machtsicherung des neuen Herrschers einem Todesurteil gegen den eigenen Sohn gleichgekommen bzw. hätte einen Bürgerkrieg provoziert.

    Mark Aurel, der die problematischen Wesenszüge seines Sohnes wahrgenommen haben mag, blieb wohl immerhin die Hoffnung, dass Commodus nach der Pubertät in seine Aufgaben hineinwachsen würde. Reisen und Feldzüge seines Vaters hatte er jedenfalls von Mitte des Jahres 175 an – und bis zu dessen Ende im März 180 – als bereits bestätigter Thronfolger zu begleiten: So wie Antoninus ihn nicht aus den Augen gelassen hatte, so behielt nun auch Mark Aurel den Commodus stets an seiner Seite. Seine Ausbildung konzentrierte sich nun stark auf das Militärische, und nicht zufällig blieb Commodus zeitlebens sehr beliebt bei den Legionen. Gleichwohl blieben Art und Dauer seiner Vorbereitung auf die Herrscherrolle hinter den Möglichkeiten, die Mark Aurel zur Verfügung gestanden hatten, zurück. Commodus’ spätere Selbstinszenierung als keulenschwingender Herkules und Gladiator ist für Fündling übrigens weniger abwegig, als es auf den ersten Blick scheint. Fündling zufolge firmierte Herkules auch als Sinnbild eines rastlosen Herrschers, der die Welt in Übereinstimmung mit stoischen Grundsätzen von Plagen reinigt: „Das Spektakel des blutbespritzten Commodus mag ein Versuch gewesen sein, aus dem Vorbild etwas Eigenes zu machen, ein auf den Hund gekommener Stoizismus.“[14]


    Marc Aurel Tod und Nachwirkung


    Am 3. August 178 brachen Mark Aurel und Commodus zum zweiten Markomannenkrieg auf. Auf diesem Feldzug starb der Kaiser am 17. März 180, vermutlich in Vindobona, dem heutigen Wien (Tertullian nennt allerdings Sirmium als Sterbeort) an einer uns nicht weiter bekannten Krankheit. Einige Wissenschaftler gehen jedoch von der Antoninischen Pest als Todesursache aus[15], andere vermuten ein Krebsleiden. Mit Ausbruch der Krankheit und in Erwartung des nahen Todes ließ der Kaiser seinen Sohn Commodus rufen und mahnte ihn angeblich, den Feldzug bis zum Sieg fortzusetzen. Commodus habe es in dieser Situation – möglicherweise aus Angst vor Ansteckung – eilig gehabt, sich wieder zu entfernen. Daraufhin soll Mark Aurel, um das eigene Ende zu beschleunigen, das Essen und Trinken verweigert haben und bald darauf verschieden sein. Seinen klagenden Freunden entgegnete er der Überlieferung nach: „Was weint ihr um mich? Weint um die Pest und das Sterbenmüssen aller!“[16] Seine Asche wurde in Rom im Mausoleum Kaiser Hadrians, der späteren Engelsburg, beigesetzt. Ihm zu Ehren ließ der Senat von Rom irgendwann zwischen 176 und 193 eine Ehrensäule (Mark-Aurel-Säule) errichten. Diese ist auf der nach ihr benannten Piazza Colonna in Rom zu finden.

    Die bekannteste Darstellung Mark Aurels ist sein bronzenes Reiterstandbild, das seit der Renaissance auf dem von Michelangelo gestalteten Platz (Piazza del Campidoglio) des Kapitols in Rom aufgestellt ist (jetzt in Nachbildung, das Original im benachbarten Museum). Dieses Reiterstandbild ist, seit der Einführung des Euro im Jahr 2002, auf der 50-Cent-Münze der italienischen Version dieser Währung abgebildet. Ein weiterer Abguss der Reiterstatue steht in Tulln an der Donau. Die Statue soll an die jahrhundertelange Anwesenheit der Römer an der Donaugrenze erinnern.

    Das Bild, das Mark Aurel als Herrscher geboten hatte, sowie seine überlieferten philosophischen Reflexionen haben ihm unter Zeitgenossen und Nachgeborenen vielfach Respekt und Bewunderung eingetragen, in breiten Bevölkerungskreisen des Römischen Reiches wie unter Aristokraten und Herrschern. Die durchaus vorhandenen problematischen Aspekte seiner Herrschaft traten dagegen früh in den Hintergrund, und der Kaiser wurde zum Idealherrscher verklärt. In seine Nachfolge stellten sich außer Commodus etwa Septimius Severus, der sich selbst (fiktiv) zum Sohn Mark Aurels erklärte, und die übrigen Severer, was einiges zur Idealisierung Mark Aurels beigetragen haben dürfte, bedeutete dies doch, dass noch Jahrzehnte nach seinem Tod römische Herrscher versuchten, ihn als Vorbild und angeblichen Vorfahren für sich in Anspruch zu nehmen. Noch in der Spätantike tat dies der ebenfalls philosophisch interessierte Julian. Die Mark Aurel bezeugte Verehrung mag noch verstärkt worden sein durch die nach seiner Regierungszeit einsetzenden Turbulenzen, die seinen Tod im Rückblick als Zäsur erscheinen ließen – mit den Worten des Senators und Historikers Cassius Dio als Abstieg in ein Zeitalter von „Eisen und Rost“.[17] Auch den Christen galt er später – trotz der Christenverfolgungen in seiner Regierungszeit – als guter Kaiser.

    In der Neuzeit wurde Mark Aurel wiederentdeckt und erneut als Idealherrscher verehrt. Fündling schreibt: „Während der Aufklärung wurde er geradezu Modeautor, der besonders Voltaire begeisterte. Vernunft, Humanität, Pflichtgefühl und ein nichtchristlicher Gottesbegriff: So sollte ein König sein.“[18]Edward Gibbon vertrat in seinem berühmten Werk History of the Decline and Fall of the Roman Empire in Anlehnung an Cassius Dio die Meinung, dass mit dem Tod Mark Aurels ein goldenes Zeitalter geendet habe.[19] Von der Neuzeit bis in die Gegenwart haben sich bedeutende Persönlichkeiten als seine Anhänger bekannt, darunter politisch Verantwortliche wie der aufgeklärte preußische Monarch Friedrich II. oder der deutsche Altbundeskanzler Helmut Schmidt, aber auch russische Literaten wie Anton Tschechow oder der Literaturnobelpreisträger Joseph Brodsky.

    Seine eigene Sicht zur Frage des Nachruhms ergibt sich aus den Selbstbetrachtungen:

    Einst gebräuchliche Worte sind jetzt unverständliche Ausdrücke. So geht es auch mit den Namen ehemals hochgepriesener Männer, wie Camillus, Kaeso, Volesus, Leonnatus, und in kurzer Zeit wird das auch mit einem Scipio und Cato, nachher mit Augustus und dann mit Hadrian und Antoninus der Fall sein. Alles vergeht und wird bald zum Märchen und sinkt rasch in völlige Vergessenheit…

    Mark Aurel: Selbstbetrachtungen IV, 33

    Marc Aurel Quellen


    Neben den Selbstbetrachtungen (siehe unten):

    Eine detailliertere Darstellung der Quellensituation bietet Birley.[20]

    Die Selbstbetrachtungen

    Es sei auch auf die englische Ausgabe mit Übersetzung und Kommentar von Farquharson hingewiesen:

    • A. S. L. Farquharson: The Meditations of the Emperor Marcus Antoninus. 2 Bde., Oxford 1944[24]

    Marc Aurel Literatur


    Historisch-biografische Literatur

    • Marcel van Ackeren (Hrsg.): A Companion to Marcus Aurelius. Blackwell, Oxford u. a. 2012 (aktuelle und recht umfassende wissenschaftliche Einführung mit Beiträgen von internationalen Experten.).
    • Anthony R. Birley: Mark Aurel. Kaiser und Philosoph. 2., durchgesehene und erweiterte Auflage. Beck, München 1977, ISBN 3-406-06760-3. Überarbeitete Ausgabe auf Englisch: Marcus Aurelius. A biography. Batsford, London 1987, ISBN 0-7134-5428-8 (Standardwerk, inzwischen aber teilweise überholt).
    • Susanne Börner: Marc Aurel im Spiegel seiner Münzen und Medaillons. Eine vergleichende Analyse der stadtrömischen Prägungen zwischen 138 und 180 n. Chr. (= Antiquitas. Reihe I, Bände 58). Habelt Verlag, Bonn 2012, ISBN 978-3-7749-3769-7.
    • Detlev von der Burg (Hrsg.): Marc Aurel. Der Reiter auf dem Kapitol. Hirmer, München 1999, ISBN 3-7774-8340-0 (kunsthistorische Studie zur Reiterstatue).
    • Richard P. Duncan-Jones: The impact of the Antonine plague. In: Journal of Roman Archaeology. Band 9, 1996, S. 108–136.
    • Jörg Fündling: Marc Aurel. Kaiser und Philosoph. Primus Verlag, Darmstadt 2008, ISBN 978-3-89678-609-8 (Rezension).
    • Pierre Grimal: Marc Aurèle. Paris 1991.
    • Richard Klein (Hrsg.): Marc Aurel. Darmstadt 1979, ISBN 3-534-07802-0 (wichtige Aufsatzsammlung zur älteren Forschung).
    • Cornelius Motschmann: Die Religionspolitik Marc Aurels (= Hermes-Einzelschriften. Band 88). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-515-08166-6.
    • Klaus Rosen: Marc Aurel. 3. Auflage. Rowohlt, Reinbek 2004, ISBN 3-499-50539-8 (knappe, aber nützliche Einführung).
    • Klaus Rosen: Die angebliche Samtherrschaft von Marc Aurel und Lucius Verus. Ein Beitrag der Historia Augusta zum Staatsrecht der Römischen Kaiserzeit. In: Historiae Augustae Colloquia. Nov. Ser. I, Macerata 1991, S. 271–285.
    • Greg R. Stanton: Marcus Aurelius, Lucius Verus, and Commodus. 1962–1972. In: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Band II 2, 1975, S. 478–549 (älterer Forschungsüberblick).

    Sekundärliteratur zu den Selbstbetrachtungen

    • Marcel van Ackeren: Die Philosophie Marc Aurels. 2 Bände, de Gruyter, Berlin/New York 2011.
    • Pierre Hadot: Die innere Burg. Anleitung zu einer Lektüre Marc Aurels. Eichborn, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-8218-0642-7 (wichtiges Standardwerk).
    • R. B. Rutherford: The meditations of Marcus Aurelius. A study. Clarendon Press, Oxford 1989, ISBN 0-19-814755-4.

    Marc Aurel Weblinks


     Commons: Mark Aurel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
     Wikiquote: Mark Aurel – Zitate
     Wikisource: Mark Aurel – Quellen und Volltexte

    Marc Aurel Anmerkungen


    1. Annähernd gleich oft findet sich die Schreibung „Marc Aurel“. Marcus Annius Verus (oder Marcus Catilius Severus, wie er auch genannt wurde) nahm nach seiner Adoption durch Kaiser Antoninus Pius den Namen Marcus Aelius Aurelius Verus an (die alternative Benennung als Aurelius Caesar Augusti Pii Filius ist ebenfalls überliefert).
    2. Name ohne kaiserliche Titulatur. Sein vollständiger Name nebst Titulatur zum Zeitpunkt seines Todes lautete Imperator Caesar Marcus Aurelius Antoninus Augustus Germanicus Sarmaticus, Pontifex Maximus, Tribuniciae potestatis XXXIV, Imperator X, Consul III, Pater patriae.
    3. Alle nachfolgenden Zitate aus den Selbstbetrachtungen entstammen der Übertragung von Albert Wittstock; siehe dazu: Literatur
    4. Fündling hebt hervor, dass die Geburt des Marcus schon deshalb von speziellem Interesse für Hadrian war, weil Mark Aurels Großvater Annius Verus wegen seiner loyalen Haltung sowie in seinen Funktionen als amtierender Konsul und Stadtpräfekt (und damit als einziger in Rom über Truppen verfügender Angehöriger des Senatorenstandes) dem kinderlosen Herrscher angeblich besonders nahestand: „Falls der kleine Annius überlebte, würde man über ihn nachdenken müssen …“ (Fündling, S. 17).
    5. Mit weniger als 16 Jahren war vor Mark Aurel niemand in diesen Kreis gewählt worden. Die Ausnahme ging vermutlich auf Hadrian als Pontifex Maximus zurück (Fündling, S. 24).
    6. Bei Jörg Fündling heißt es: Hadrian wählte Antoninus, „ohne lebenden Sohn, aber mit einem Neffen aus mächtiger Familie, den der Kaiser aufmerksam beobachtet und ausgezeichnet hatte“. Es sei zu fragen, ob Antoninus ohne Marcus überhaupt zu haben war. Sobald dieser aber in die Erbfolge integriert war, begünstigten der Altersvorsprung vor Lucius, der Adoptivvater Antoninus und jedes verstreichende Jahr den Marcus gegenüber Lucius. „Der Initiator musste das wissen. Andererseits sicherte Hadrian, indem er beide zu Brüdern machte, Lucius’ Zukunft in einem gewissen Maß durch den Appell an Antoninus’ wie Marcus’ pietas...“ (Jörg Fündling: Kommentar zur Vita Hadriani der Historia Augusta. Bonn 2006, Bd. 4.2, S. 1068–1070)
    7. Fündling, S. 38.
    8. Historia Augusta, Marcus Aurelius 2, 6; Birley, S. 61
    9. Zitiert nach Birley 1977, S. 326f.
    10. Vgl. Ammian 29,6,1
    11. Fündling, S. 97.
    12. Fündling, S. 110.
    13. Vgl.  Paul Keresztes: War Marc Aurel ein Christenverfolger?. In: Richard Klein (Hrsg.): Marc Aurel. Wiss. Buchges., Darmstadt 1979, ISBN 3-534-07802-0, S. 261–303.
    14. Fündling, S. 173f.
    15. Stefan Winkle: Kulturgeschichte der Seuchen. Düsseldorf 1997. S. 434.
    16. Historia Augusta, Marcus Aurelius 28,4; Übersetzung nach Fündling, S. 171, der ebenda resümiert: „So wählte er sein Ende gewissermaßen doch noch selbst.“
    17. Fündling, S. 178: „Dass Marcus’ Zeit für Dio den letzten festen Punkt jenes Verhältnisses von Kaiser und Senat verkörperte, zu dem Rom zurückkehren sollte, steht fest.“
    18. Fündling, S. 180, der seine durchaus nicht apologetisch gemeinte biographische Darstellung an das Ziel gebunden hat, Mark Aurel im Kontext von „Bedingtheit, Abhängigkeit, Zwang, Denkhindernisse(n), Konventionen und automatische(n) Abläufe(n)“ zu betrachten (S. 12).
    19. Vgl. Gibbon, Decline and Fall, Kapitel 1.
    20. Birley, Mark Aurel, 1977, S. 409ff.; bzw. Marcus Aurelius, 1987, S. 226ff.
    21. Die Ausgaben von 1933 bis zur 12. Aufl. 1983 (seit 1973 mit der angegebenen ISBN) mit einem Vorwort Capelles von 60 Seiten, das ausführlich Leben und Werk, philosophische Herkunft (Stoa) und Einordnung, historische Situation sowie die Überlieferung des Textes darstellt. Ebenso umfangreiche Anmerkungen Capelles zum Text im Anhang. Die Ausgaben seit 2008 mit einem neuen Vorwort von Jörg Fündling (anstelle Capelles), übrige Teile unverändert, der 2008 auch die Monographie bei Primus/WBG verfaßt hat. Übers. und Anm. weiterhin von Capelle. – Seit 2009 auch wohlfeile sowie elektronische Ausgaben und auf Tonträger
    22. ca. 1949–1989 auch bei Reclam, Leipzig, Hg. Hans-Joachim Diesner, zuletzt ISBN 3-379-00442-1
    23. ab 1992 mit Vorw. von Klaus Sallmann
    24. Zahlreiche Nachdrucke, auch ohne Originaltext und Kommentar


    Vorgänger Amt Nachfolger
    Antoninus Pius Römischer Kaiser
    161–180
    Commodus
    Dies ist ein als lesenswert ausgezeichneter Artikel.
    Dieser Artikel wurde am 24. April 2006 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.


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